Korrigiert

Selbstverständlich ist das alles bestimmt nur nett gemeint – vielleicht hat es sogar schon böse Unfälle mit gebrochenen Nasenbeinen gegeben, gefolgt von hässlichen Prozessen um Schadenersatzansprüchen und entagngenen Lustgewinn. Wer weiß das schon. Anders lässt sich die offensichtlich auf Dauer angelegte Existenz dieses notdürftig hingekritzelten Zettels aber nicht erklären:
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“Vorsicht Scheibe!” steht, mit rotem Flizstift in Großbuchstaben auf ein Blatt Papier geschmiert, an einem der Glasportale zu einem blitzenden und blinkenden Einkaufstempel.
Das Foto davon ist gut und gerne drei Monate alt. Seitdem prangt der handschriftliche Vermerk an der Glastür einer Rostocker Einkaufspassage. Sachlich ist sicherlich alles richtig (Glas ist jedenfalls definitiv vorhanden und Vorsicht grundsätzlich ja nicht schlecht – und wer beendet seinen hastigen Einkaufsbummel schon gern mit einem enegriegeladenen und folgenschweren Ausfallschritt gegen einbruchsicheres Glas), formal ist “Vorsicht Scheibe!” aber abstoßend unbeholfen.
Ich habe die Aufnahme selbst damals angefertigt und hier auch veröffentlicht – versehen mit dem Hinweis, dass es nur eines winzigen Strichs bedürfte, um aus diesem doofen Schild ein lustiges zu machen.
Nun, ganz offensichtlich war ich nicht der Einzige mit dieser Idee. Denn zwischenzeitlich hatte jemand mit einem Strich am Fuß des großen B in dem Wort Scheibe tatsächlich vor Fäkalien gewarnt. Wie lustig.
Das haben dann auch irgendwann die eigentlichen Urheber der schriftlichen Warnmeldung nicht mehr übersehen können und haben den Aushang ihrerseits wieder korrigiert.
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Und weil Papier in Rostock ja immer mal wieder knapp zu werden scheint, hat man das Papier auf ganz eigentümliche Weise recycelt, indem irgendwer vermutlich freiwillig den roten Zusatzstrich vom Zettel heruntergekratzt hat. Ja, wirklich. Es ist immer noch der alte Zettel, und irgendwer hat also mit einem scharfen Gegenstand einen roten Strich heruntergekratzt.
Warum? Es kann nur blöde Gründe dafür geben, ein sinnvoller will mir auch nach tagelangem angestrengtem Nachdenken nicht einfallen. Vielleicht kommen ja bei den Zettel-Retuschierern folgende Gründe ansatzweise mit in Betracht:

  1. Weil DinA4-Zettel rationiert sind.
  2. Weil rote Stifte dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.
  3. Weil man sich so schön lächerlich machen kann.
  4. Weil derjenige, der für den Zettel seit Monaten verantwortlich zeichnet, nicht weiter denkt als von der Vorder- bis zur Rückseite eines durchschnittlichen Papierbogens.
  5. Weil man ja schon auch was ausdrucken könnte, mit Computer und so, aber: “Leider geht das nicht, unser Drucker kann nur Hochformat”?

Das wirft natürlich Fragen auf:

  1. Wann war zuletzt jemand vom Center-Management mit ungetrübter Wahrnehmung im Eingangsbereich der Passage unterwegs? Dieses Jahr schon?
  2. Wollen die vielleicht mit Zetteln wie diesen von leerstehenden Verkaufsflächen im Erdgeschoss ablenken?
  3. Ist man dort der Meinung, dass es sich nicht mehr lohnt, in ein neues DinA4-Blatt zu investieren, weil der Laden in der zweiten Jahreshälfte sowieso umgebaut werden soll?
  4. Haben die eigentlich keinen Respekt vor Kunden?
  5. Wäre es nicht möglich gewesen, einfach nur ein Blatt mit dem Emblem der Passage aufzuhängen, anstelle der Baumschulenformulierung “Vorsicht Scheibe!”? So wie die schwarzen Krähensilhouetten an jeder mittelmäßigen verdammten Schwimmhallenfensterscheibe zwischen Hammerfest und Taschkent? Irgendetwas annähernd Stilsicheres und Angemessenes vielleicht?

Die Antworten – davon kann man angesichts dieser vielschichtigen Tragödie wohl ausgehen – würden wohl bei jeder Frage jeweils irgendetwas Negatives beinhalten und auf Unvermögen und Überforderung schließen lassen.
Ich weiß, es wird nichts ändern, aber ich würde gern einen zweiten Zettel dort anbringen. Diesen hier: “Vorsicht, doofe Zettel!”
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Der Zettel als PDF zum Ausdrucken
Ach, was rege ich mich eigentlich auf…

Von wegen, alles Roger…

Ach, der Grand Prix. Was soll man noch sagen. Die 52. Ausgabe des Eurovision Song Contests hat eine Serbin gewonnen – weil ihr Vortrag wirklich gut war. Das spiegelt sich auch in der Punktevergabe wider. Für Marija Serifovic gab es nicht nur aus benachbarten und historisch bedingt befreundeten Ländern viele Punkte, sondern auch aus West- und Nordeuropa.
Aber dann: Die Ukraine holte sich mit Travestie und Wortfetzenklamauk Platz 2, Russland schickte ein zusammengecastetes Mädchentrio nach Helsinki und somit auf Platz drei in der Gunst derjenigen Europäer, die per Telefon mit abgestimmt haben.
Roger Cicero landete mit “Frauen regier’n die Welt” auf Platz 19 mit 49 Punkten.
Zusammengefasst hatten die Final-Beiträge aus allen Ecken des Kontinents ein gutes Niveau (von Ausreißern wie Großbritannien und Irland mal abgesehen). Rein nach musikalischen Gesichtspunkten hätte die Abstimmung auch eine ganz andere Reihenfolge ergeben können. Zufall, dass dies nicht passiert ist? Wohl nicht.
Auch im Jahr 2007 zeigte sich, dass der weltgrößte Musikwettbewerb ein strukturelles Problem hat.
Von den 42 Nationen, die mit abgestimmt haben, sind 20 zum ehemaligen sogenannten “Ostblock” zu rechnen. Höchstpunkte an benachbarte Nationen sind dort eher die Regel als unter Westeuropäern. Unabhängig, wie viele Einwohner jedes Land hat oder Teilnehmer bei der Abstimmung mitmachen: Jeder kann dem beliebtesten Song 12 Punkte geben.
Ergebnis in diesem Jahr: Die 16 ersten Plätze teilen sich Ost- und Südosteuropäer und die Türkei.
Natürlich entscheiden die Menschen dort nicht ausschließlich nach politischen und/oder historischen Gesichtspunkten, stellt sich aber die Frage, ob der Song Contest unter dieser Dominanz leidet. Viele Fans in Deutschland, Finnland und anderswo wüften das als ungerecht empfinden.
Allerdings darf hier auch der Hinweis nicht fehlen, dass die Abstimmung nur in Ansätzen demokratisch und schon gar nicht repräsentativ ist: Nur, wer bereit ist, Geld auszugeben, darf mit entschheiden, dass dann aber auch so oft, wie er möchte. Außerdem ist noch nicht klar, wie groß der Marktanteil der Show in Europa war.
Oder aber – auch das ist natürlich möglich – das Abstimmungsergebnis 2007 ist der Beweis dafür, dass in den meisten Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes derzeit mehr Musik gemacht wird, die dem gesamteuropäischen Geschmack entspicht.
Trotzdem, wenn man das Abstimmungsverfahren ändern wollte: Es dürfte nicht einfach sein, eine Lösung zu finden. Vielleicht ist Musik auch etwas zu Banales, um über eine Stimmengewichtung debattieren. Aber wenn dies diskutiert wird, dann dürfte jetzt schon klar sein, dass die Debatte darum lange dauern könnte. Vielleicht müssten in die Gewichtung der Länderstimmen Werte wie “Bevölkerungsanteil in Europa”, “Höhe der Beiträge an die Eurovision”, “Anzahl der Anrufer”, “Zahl der Zuschauer”, oder was auch immer berücksichtigt werden. Ein Weg, den Effekt der gegenseitigen Verbundenheit zu mindern, wäre das aber wohl noch nicht. Abgesehen davon müssten ja auch die betroffenen Länder diese Idee noch gut finden.
Aber warum sollte es bei so einem Musik-Firlefanz einfacher sein als bei wirklich wichtigen Dingen.

Abgekoppelt

Ich habe die schlimmsten Minuten meines noch so jungen Lebens hinter mir: Mein DSL-Modem-Router hatte den Geist aufgegeben – nach drei Jahren treuen Dienstes wollte keines der vielen grünen Lämpchen mehr leuchten. Heute, als ich beim Frühdienst im Studio weilte, muss es passiert sein. Vielleicht noch ein letztes Flackern und Flimmern, ein digitales Aufbäumen im Todeskampf sozusagen, und dann ist er für immer ausgegangen – vermutlich mit einem kaum zu vernehmenden Britzeln irgendwo da drin in seinem inzwischen kalten grauen Kasten.
Ich war abgekoppelt vom Netz der Netze und deshalb geschockt und trotzig. Ach, ich halte das auch mal ein paar Tage so aus, habe ich mir gedacht. So ganz ohne Internet. Wird schon gehen, lese ich eben mal ein Buch. Hat nicht geklappt. Nach drei Minuten wurde ich unruhig. Ich hatte schließlich schon seit Ewigkeiten kein Buch mehr in der Hand gehabt. Ich war total überfordert: Wo stellt man die Schrift größer, kann man denn gar keine Plugins installieren und vor allem: Wo klickt man, um umzublättern.
Das war mir dann zu doof. Ich bin in die nächstebeste Elektronik-Klitsche gelaufen und habe mir einen neuen grauen Kasten gekauft. Und noch einen. Denn Modem und Router in einem, das gabs da nicht. Und siehe da: Es funktioniert alles – nach nur zehn Minuten Fummelei und ein bisschen Netzwerk-Konfiguration. Herrlich. Happy End. Viel schneller als in diesen altmodischen Büchern.

Komma

Der Gewinner beim Poetry-Slam vor ein paar Tagen hat unter anderem mit diesem Gedicht die Siegertrophäe eingeheimst: Jörg Spiller hatte es mit den Worten eingeleitet, dass er es faszinierend findet, wie Mathematiker nur mit ein paar Zeichen komplexe Zusammenhänge verdeutlichen können – und das hat er auch versucht: Nur mit ein paar Sonderzeichen von der Tastatur.

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Dieses ebenso komplexe wie kompakte Werk veröffentliche ich mit freundlicher Genehmigung des Poetry-Slam-Gewinners Jörg Spiller. Interpretations- und Übersetzungsversuche der werten Leser werden in den Kommentaren gern zur Kenntnis genommen. Die Auflösung gibts in ein paar Tagen. Vielleicht gibts auch was zu gewinnen.

Schimpf-Spam

Jetzt muss man sich also schon beschimpfen lassen. “Du hast noch keine Wettaktien? Trottel” stand im Betreff der Spam-Mail, die zigfach in den vergangenen Tagen bei mir eintrudelte. “Du Depp hast noch keine Wett-Aktien” war wenig später die Fortsetzung. “Sie werden heulen und jammern” sagte man mir vorraus, wenn ich nicht sofort dieses und jenes Wertpapier in unangemessenen Mengen ordern würde.
Ich fasse zusammen:

  1. Die Urheber unerwünschter Werbe- und/oder Viren-Mails klauen sich irgendwo meine Adresse
  2. Sie verteilen ihre Botschaften weltweit und millionenfach
  3. Sie wissen genau, dass die Welt besser dran wäre, wenn es die Spammer nicht gäbe
  4. Sie ahnen, dass man sich für ihr dämliches Gebrabbel nicht interessiert
  5. Sie wollen irgendwas
  6. Aber sie beschimpfen einen jetzt auch schon.
  7. Sie gehen einem auf die Nerven
  8. Spammer sind die digitale Pest

Die sollen weggehen…!

Neu verlinkt

Im Internet scheint ja alles irgendwie zusammenzuhängen, Links machens möglich. Und da spinne ich gern mit rum am Netz der Netze. Seit einigern Tagen neu in meiner Liste der verlinkten anderen Weblogs sind diese:
Flieg wie ein Igel
Wunderliche Arabesken & unnütze Gedanken; Geschichten wie Samt & Seide. Oder: Druck und Eintopf. So ist diese Seite betitelt. Dort passiert zwar seit über zwei Monaten nichts mehr, aber die dort bereits veröffentlichten Texte sind sehr unterhaltend.
Stoerti on tour – Globe- & Lifetrotting-Blog. Reisenotizen, kurze, manchmal sehr persönliche Notizen und Texte.
Norddeutsche Kühle – Auf dem platten Land und an der Küste… wird gebloggt.
Tante Emma rechnet ab – Notizen aus dem Kaufmannsladen. Die aktuellste ist aber fast schon ein Jahr alt.
Der tägliche Wahnsinn an der Hotline – wenn wir bei einer Service-Hotline anrufen… Auf dieser Seite steht, wie das dort alles wahrgenommen und vor allem eingeordnet wird.

Freunde gesucht

Sensationell, dieser Beitrag im neuen Hohlspiegel – eine Anzeige aus dem “Deutschen Ärzteblatt”:

Arzt, Aristokrat, Raum Rhl.-Pf. sucht für seine Kinder 17, 15, 11, 8 passende Freunde. DÄ32….

Die Bewerbungsgespräche würde ich gern belauschen. Herrlich. Schade, dass ich gerade keine Zeit für eine, ahem, längere Betrachtung habe. Später vielleicht.

Tipp von Google: Schwimmen

Wahrscheinlich wird man so etwas schon geahnt haben bei Google. “Und was machen wir mit den ganzen Schlaumeiern, die nur nach Fehlern suchen?”, wird einer der Software-Ingenieure die Programmierer gefragt haben. “Ach, denkt euch was schön Blödes aus, gebt’s diesen Typen. Dann sind sie ne Weile beschäftigt.” So oder ähnlich wird wohl die Anweisung in die Datenbank des Routenplaners bei Google-Maps gekommen sein, man möge bitte über 5000 Kilometer durch den Atlantik schwimmen.
Screenshot Google Maps: Durch den Atlantik schwimmen

Befehl von Onkel Google: “Schwimmen Sie durch den Atlantik!”

Hinweise dieser Art gibt der Informations-Krake, wenn man ihn sinnlose Routen berechnen lässt: Zum Beispiel von Berlin nach New York. Das Motto dahinter ist wohl ein klassisches. “Wollen die mich verarschen?” wird der User fragen und Onkel Google würde entgegnen: “Wer hat denn damit angefangen!?”
Hier gefunden und gleich mal ausprobiert.

Lektion für Wolfgang

Die Begrüßung war jeweils herzlich, aber leider falsch: „Hallo, Christoph“ schleuderte mir der Kollege von der schreibenden Zunft jedes Mal entgegen, wenn wir uns trafen. „Moin, Christoph“ oder „Na, Christoph“. Ich habe das zunächst freundlich und gutmütig überhört. Vielleicht sehe ich ja aus wie irgendein ein Christoph. Nun gut.
Es zeichneten sich bei den Begrüßungen im Laufe der dahinziehenden Monate allerdings keine entscheidende Veränderung ab. Für den guten Mann – er selbst heißt Wolfgang – blieb ich Christoph. Obwohl ich zunächst für mich und im Stillen murmelte und später auch laut einwarf, dass ich ja nun seit geraumer Zeit Christian heiße. Eigentlich schon immer. Christian eben. Sieht zwar ähnlich aus und klingt auch beim flüchtigen Hinhören fast ein bisschen wie Christoph, aber es ist eben doch was ganz anderes. Ich sagte also: „Aber, aber. Ich heiße doch Christian!“
Mein Gegenüber bedauerte aufrichtig und zutiefst – regelmäßig. Und immer wieder.
Gesten war wieder eine Gelegenheit, mich Christoph zu nennen. Wir trafen uns auf einer Pressekonferenz. Aber diesmal war ich vorbereitet. Ich hatte beschlossen, diesen Wolfgang mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.
Ich hatte mich kaum gesetzt, als Wolfgang sich zu mir rüberbeugte und „Na, Christoph, alles klar?“ raunte. Das war mein Stichwort: „Klar, Werner! Und bei dir so, … Werner?“ Wolfgang stutzte und entschuldigte sich wie üblich.
Heute traf ich ihn wieder. In der Fußgängerzone. „Mensch, Christian!“ sagte er und betonte jede einzelne Silbe. Problem gelöst. Aber das ist auch wieder schade. Ich hatte mir schon so schöne Namen für die weiteren Lektionen ausgesucht: Wotan, Wendelin, Winston, Wolfhard oder auch Woody.