Soziale Lesezeichen

“Social Bookmarking” nennt sich dieser Trend: User speichern Lesezeichen online, haben sie dadurch immer greifbar und können auch sehen, wie viele andere Nutzer ähnliche Links gespeichert haben. Das ist sozial, das ist toll, das ist freakig – trotzdem gibt es das jetzt auf kohlhof.de. Unter jedem Beitrag finden sich kleine quadratische Kästchen, die man anklickt um den jeweiligen Beitrag – einen Account beim Bookmarkdienst vorrausgesetzt – zu speichern.

Kaffee und Kuchen ganz oben

Es sollte ein tolles Ostergeschenk sein: “Kaffee und Kuchen ganz oben” hatte ich oben links auf ein weißes Blatt Papier gedruckt – als kleines Rätsel. Zum Schlemmen im höchsten Café des Landes wollte ich einladen und durch meine polyglotte, weltgewandte Weitsicht, meinen Geschmack und durch mein dickes Portemonnaie überzeugen. Nun denn. Der Plan ging nicht auf.
[mygal=skybar]
Das Ziel: Das Café Panorama, im 19.Stock und damit 64 Meter über dem Meeresspiegel gelegen. Es liegt somit ganz oben im 5-Sterne-Haus “Hotel Neptun” in Warnemünde. Anfang des Jahres ist das Haus renoviert worden. Alles ist jetzt noch schicker als vorher, verspricht das Hotel.
Was wir hätten wissen können und müssen, ist, dass jeden Sonntag Tanztee über den Wolken ist. Ein Mädchen im Pailletten-Kleid und drei Herren in weißen Sakkos musizierten auf der Bühne – man coverte Schlager und ließ die Gäste schwofen.
Das Café wirkte an diesem sonnigen Nachmittag sehr hell und freundlich. Lichtdurchflutet passt hier wirklich mal. Cremefarbene Ledersessel stehen dicht an dicht um alte Tische, denen man ihr Alter aber nicht ansieht, weil cremefarbene Tischdecken bis zum Boden hängen.
Die Preise sind saftig: Eine Tasse Milchcafé kostet 4 Euro, auch ein Stück Torte ist in der Regel so teuer. Die Backwaren werden mit einem Tortenwagen durchs Etablissement kutschiert. Damit tut man dem Backwerk keinen Gefallen. Die Mohn-Mango-Torte wirkte doch etwas trocken und so, als habe sie heute schon zig Meter über den Wolken zurückgelegt. Dass die Plexiglastüren des Wägelchens auch mal offen stehen bleiben, ist der Frische von Torten und Kuchen auch nicht gerade zuträglich.
Auch das Servieren müssen die Damen unterm Hoteldach noch mal üben. Servietten landeten -schwungvoll ausgelegt – halb auf dem Kuchenteller. Die Tasse Milchcafé wurde einfach links daneben abgestellt.
Die Bestellung wurde auf einem in der Mitte durchgerissenen Zettelchen notiert und auf den Tisch gelegt. Elegant ist anders, erst recht in einem Fünf-Sterne-Laden.
Aber die Aussicht – die entschädigt ja für manches. Sensationell. Da war dann die Musik auch schon wieder egal. Ich will hier nicht über die Musikrichtung herziehen – schließlich fanden sich meistens genug Leute, die zu Andrea-Berg- und Flippers-Covern schwoften. Es hatte aber den Anschein, als kämen die Musiker aus fernen Landen. Dementsprechend zurückhaltend war die Interpretation, der Text kaum zu verstehen (in etwa so wie in Mr.-Bean-Sketchen, wenn im Hintergrund Ansprachen oder so zu hören sind. Das ist auch eine Art Fantasie-Sprache, und so klang der Gesang).
Man merkt also: Die Kuchenauswahl ist sehr verlockend (von Erdbeer bis Trüffel ist vieles dabei), so richtig begeistert hat trotzdem nur die Aussicht. Vielleicht sollte man am Sonntag dort nur hingehen, wenn man Tanztee mag. Vielleicht ist es dort an anderen Tagen ja ganz anders. Wir werden es bei Gelegenheit ausprobieren.
So konnte und musste ich wie geplant durch mein dickes Portemonnaie überzeugen, die Weitsicht beschränkte sich aufs Panorama (Tanztee hatte ich schlicht vorab für unmöglich gehalten), und weltgewandt war das alles auch nicht, sondern…irgendwie einfach nur schade, dass wir einen schlechten Tag erwischt hatten.

Was mein Handy alles gesehen hat

Der Speicherchip in meinem Handy ist voll. Um dort Platz zu machen, habe ich alles per Backup auf meinen Rechner verschoben. Und das ist die Gelegenheit, hier mal wieder eine Galerie zu präsentieren mit einigen Fotos aus den vergangenen Monaten (genauer: aus dem vergangenen Jahr – ja, so aktuell ist das hier), die es aus diversen Gründen (keine Zeit, keine Lust, miese Qualität) nicht geschafft haben, Teil dieses wundervollen Blogs zu werden. So, hier ist nun also deren zweite Chance:

[mygal=hochladen]

“Wieder in der Spur”

Die Akustik des Tages, eine fast schon vergessene Rubrik. Aber heute gibts mal wieder einen Song zu erwähnen, er war Teil des Soundtracks für die Rückreise aus dem Westen gestern Abend:
Apoptygma Berzerk – Back on Track (Northern Lite Remix)

Angekreidet

Rostock, das ist die Stadt der Wunderlichen. So fiel mir heute am Straßenrand folgende Kritzelei auf den Gehwegplatten auf:
Botschaft aus Kreide auf dem Gehweg in Rostock

Kreide-Pranger: “Kein Parkschein. Keine Parkuhr. Pfui!” Vielleicht hatte die Politesse nicht genug Strafzettel dabei…

Der so Gebrandmarkte hatte sein Auto aber inzwischen fortgefahren. Der rosa Pfeil wies ins Leere.
Echt gut, wenn Leute aufpassen, dass alles mit rechten Dingen zugeht, gerade bei den kleinen Dingen des Alltags.

Der Fehler des Herrn Osborne

Irgendwo im Wüstensand von Utah liegen tausende Computer herum. Sie heißen Lisa und tragen einen kleinen Apfel als Firmenlogo. 1983 hatte Apple den Rechner, den ersten mit einer grafischen Benutzeroberfläche, für 9995 Dollar verkaufen wollen. Weil IBM-PCs preiswerter waren, blieb Apple auf Lisa sitzen. Die Lösung brachte ein Bagger, der in der Wüste von Utah ein tiefes Loch buddelte, in dem man die tollen teuren Rechner vergrub. So ähnlich hatte das auch schon mal Atari mit dem Computer-Spiel-Schnellschuss “E.T.” gemacht – keiner wollte das Spiel zum Kino-Erfolg kaufen. Willkommen in der Welt des Osborning.
Des Was? Osborning oder der Osborne-Effekt ist der Sammelbegriff für äußerst folgenschwere Fehlentscheidungen beim Marketing. Die zweifelhafte Ehre als Namenspate für desaströse Managementfehler kommt Adam Osborne zu. Ihm wird nachgesagt, er habe das Osborning sozusagen erfunden – unfreiwillig natürlich. Dahinter verbirgt sich eine Legende aus grauer Computer-Vorzeit. Buchhändler Osborne war auch ins Computergeschäft eingestiegen und dabei sogar erfolgreich. Sein “Osborne 1” (Bild)war der erste tragbare Computer. Das Modell fand trotz seiner über 12 Kilo Gewicht viele Käufer. Dann aber, so will es die Überlieferung, kündigte Osborne das Nachfolgemodell an. Der “Vixen” sollte schneller, besser und genau so teuer werden.
Das fanden die Kunden gut – und warteten ab. Das war Pech für Osborne. Denn er hatte die neue Computer-Generation viel zu früh angekündigt und blieb auf seinem Modell Nummer 1 sitzen, das niemand mehr haben wollte. Osborne nahm nicht genug Geld für die Produktion des Nachfolgers ein und ging pleite.
Man kann das alles fast schon als urbane Legende bezeichnen. Ob sich das alles wirklich so zugetragen hat, zweifeln manche an. Sie benennen andere Gründe: Konkurrenz und Mythenbildung durch Verwechslung.
Was für ein Dilemma.

Atari-Gefühl (STFM)

Mein allererster Computer war ein Atari 1040 STFM. 1989 stieß er zur Familie. Mit einem monochromen Monitor, flimmerfrei! Boah! Leider liefen die meisten Spiele nicht in der Graustufen-Darstellung, aber nun ja. Silent Service, Mission Elevator und vor allem: Ballerburg versagten nicht den Dienst. Mit Omicorn-Basic kam ich nie klar. Bei GFA-Basic reichte es für Grundlagen. Aber: Signum und Calamus, das waren unsere Freunde. Vektor-Zeichensätze frei positionieren, layouten, das war was.
Außerdem habe ich mir auch noch eine Audiosoftware gekauft, mit der man Sound digitalisieren konnte. Für die ersten Radioversuche habe ich mir damals Jingles gebastelt. Ging ganz gut – in mono.
Internetseite Little Green Desktop - zu Ehren des Atari ST

Internetseite Little Green Desktop – zu Ehren des Atari ST

Ich habe die graue Kiste noch, als ich sie vor ein paar Jahren mal hervorholte, lief der Rechner einwandfrei hoch. Sensationell. Hoffentlich schafft ers jetzt auch noch. Wie komme ich darauf? Durch Zufall, bei der Suche nach etwas ganz anderem (es ging um Cascading Style-Sheets), stieß ich auf diese Seite. Das besondere Gimmick: Sie sieht aus wie die alte Benutzeroberfläche vom guten alten ST. Herrlich. Besser gelöst ist das allerdings auf der Atari-Seite im Netz schlechthin: www.atari.st – The Little Green Desktop. Dort gibt es auch Links zu Emulatoren, mit denen man seinen Hochleistungs-PC in einen Konsolenrechner der 80er Jahre verwandeln kann.
Das ist für einen Klassiker nicht nötig. Das oben erwähnte Ballerburg gibts auch für Windows-PCs zum Download.

Papst-Torte

Und jetzt müssen wir noch mal über den Papst reden – über den aktuellen. Der feierte heute seinen 80. Geburtstag, wie es sich für eine Heiligkeit gehört. Gratulant war – außer tausenden Katholiken – auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Und was brachte der mit für den Geburtstagspapst? Ein Buch, ja, gut. Aber auch eine Marzipantorte aus Lübeck – eine Maßanfertigung:

Marzipantorte aus Lübeck für den Papst. Foto: Staatskanzlei Kiel

Für die Leckerschmecker unter den Lesern: Das da oben ist nicht zu verwechseln mit dem, was Laien für gewöhnlich als Marzipantorte bezeichnen. Das da oben ist wirklich eine Torte aus Marzipan. Das gemeine Fußvolk labt sich derweil für gewöhnlich an Lübecker Nusstorte (Klick).
Unten: Mürbteigboden, rote Konfitüre, Mürbteigboden. Dann: Sahne, gefüllt mit Nuss-Splittern. Das alles eingeüllt von einer Marzipandecke. Auf jedem Tortenstück ein Sahnetupf mit Walnusshälfte. Das wars, mehr nicht.
Man kann sich also mein Entsetzen vorstellen, als man mir neulich in einer selbsternannten klassischen Konditorei in Warnemünde eine so bezeichnete Lübecker Nusstorte vorsetzte, die
a) einen Schokoladenboden hatte
b) die mit Sahne ohne Nüssen daherkam
c) ohne Marmeladenschicht im Boden aufwartete
d) und oben – Achtung – mit einer Haseluss, einer Pistazie und einem Walnuss-Viertel, einem Viertel (!) verziert war.
Frechheit.

Nachrichtengeschäft

Es gibt Ereignisse, die bringen selbst gestandene Reporter an ihre emotionalen Grenzen. Oliver Kalkofe hat das in seinem Beirtag recht zutreffend auf den Punkt gebracht. Ein Film aus der Reihe “Was Reporter denken, während das Nachrichtengeschäft brutal nach neuen Infos giert”.

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