Landesmutter

Nur kurz notiert: Kurze Sinnsprüche heute in der Show von Harald-Schmidt. Und hier der beste:

“Berlin ist pleite wie Kalkutta, doch Wowi bleibt die Landesmutter”

Nüharrharr!

Und dann noch sinngemäß aus dem Gedächtnis:

“Wer fährt da rum mit einem Panzer? Das ist der Grass der alte Landser”

Auch gut.

Mecklenburg-Vorpommern-Blues

Und hier der Veranstaltungstipp fürs Wochenende. Ich empfehle der geneigten Leserschaft einen Besuch bei der KneipenKultTour in Güstrow. Es ist dabei nicht nötig, in alle Clubs und Bars zu gehen. Es reicht, ab 21 Uhr im Phönix am Domplatz zu sein. Am 30. September tritt dort “Martin Rosenplänter mit den entsprechenden Konsequenzen” auf.

Martin Rosenplänter mit den entsprechenden Konsequenzen

Die vier Tenöre? Nein! Diese Herren machen deutschsprachige Rockmusik. Bandfotos müssen aber so aussehen. Es gilt in Musikerkreisen sozusagen als schwere Sünde ein Foto abzugeben, auf dem alle in die Kamera blicken. Is ja auch egal. Am 30. September spielt die Band jedenfalls in Güstrow im Phönix.

Martin hat unter anderem in Rostock studiert – und hier sind sozusagen nebenbei sehr humorvolle Texte entstanden. Und die gibts dann als frischen, knackigen, deutschsprachigen Rock zu hören. Besonderer Kracher war bislang bei Auftritten im Osten allerdings auch der Mecklenburg-Vorpommern-Blues.

Martin schreibt die Texte und komponiert, und mit seinen drei konsequenten Jungs (studierte Musiker) bastelt er daraus knackige Arrangements. Das rummst, und zwar mit Anspruch – sowohl in musikalischer, als auch in inhaltlicher Hinsicht. Die Veranstalter machen deshalb auch das einzig Folgerichtige und kündigen Herrn Rosenplänter und die Konsequenzen als “Geheimtip” an. Da schließe ich mich an.

Die Homepage der Band

Das Programm der KneipenKultTour

Der Phönix-Club in Güstrow

“Hääbst”

, wie man hierzulande den Namen der Jahreszeit ausspricht, die um 6:03 Uhr begonnen hat. Meine aktuelle Lieblingsjahreszeit, knapp vor Frühling, Sommer und Winter. Liegt wohl an den Farben der Natur, speziell am Licht, den langen Schatten und dem leicht feucht-modrigen Geruch, der zuweilen durch Wald und Flur haucht.

110

Beim Notruf der Polizei habe ich wirklich noch nicht oft angerufen. Vielleicht drei, vier Mal in meinem hach so jungen Leben. Darüber bin ich auch sehr froh, ich bin eigentlich für jedenTag dankbar, an dem ich nicht aus eigener Not oder im Interesse anderer die Polizei anrufen muss – wer kommt schon gern in Situationen, in denen nur noch Polzei, Feuerwehr oder Notärzte helfen können. Ich weiß nicht, wie ich klinge, was ich sage, wenn ich den Notruf anwähle – aber ganz offensichtlich kommt bei den Beamten in den Leitstellen ganz schön viel seltsames Zeug an. Jedenfalls reicht es, dass im Blog “VS-Geheim” jeden Tag neue anonymisierte Protokolle von Notrufen zu finden sind, aufgeschrieben von einem Leitstellenbeamten. Kostprobe:

Bei einem Unfall erleiden viele, ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein, einen Schock. Das ist vor allem daran zu sehen, dass einfache Zusammenhänge nicht mehr erkannt werden…

“Polizeinotruf.”
Eine aufgeregte Männerstimme.“Ja, hallo. Kommen Sie bitte schnell. Wir hatten hier einen Unfall!”
“Ja. Ist jemand verletzt worden?”
“Äh…nein. Ich bin nicht verletzt.”
“Und was ist mit dem oder den anderen Unfallbeteiligten?”
“Ja…weiss ich nicht.”
“Dann fragen Sie doch bitte mal.”
“Das geht nicht.”
“Warum denn nicht?”
“Ja…äh…der spricht nicht mit mir.”
“Nanu. Warum denn nicht?”
“Ach, der liegt hier auf dem Boden, blutet aus dem Kopf und stöhnt die ganze Zeit rum.”
Stöhn. “Dann würde ich mal sagen, der ist verletzt.”
“Äh..so gesehen – ja. Schicken Sie bitte einen Krankenwagen!?”

Das klingt witzig, ist es auch, aber manchmal bleibt einem das Lachen angesichts der Geschichten auch im Halse stecken bei dem Gedanken “Bloß gut, dass mir das nicht passiert ist”. Manchmal darf man sich auch wundern, wie launig “die Polizei” antwortet. Ob das immer angemessen ist, ich weiß es nicht. Bei manchen Anrufen scheint mir der Tonfall aber zu passen. Und es sind ja auch nur die Spitzen der Notruf-Eisberge, die dort veröffentlicht werden. Auf jeden Fall ist das sehr unterhaltsam aufgeschrieben – und deshalb wird VS-Geheim als drittes Blog rechts in die Liste meiner Blogs eingetragen.

Die wenigsten Nichtraucher

Endlich ist Mecklenburg-Vorpommern mal nicht Schlusslicht – oder doch? Diese ewigen Rote-Laterne-Geschichten machen einen ja schon ganz verrückt. Deshalb klingt diese Meldung aus der Zeitung ja auch auf den ersten Blick positiv (sonst haben wir schließlich immer nur die meisten, die meisten Arbeitslosen, die meisten Frustrierten, die meisten Nichtwähler): Nun haben wir also mal die wenigsten – und zwar “die wenigsten Nichtraucher”. Nun ja.

Laut Statistischem Bundesamt liegt die Nichtraucherquote in Mecklenburg-Vorpommern bei 66,7 Prozent. Also zwei Drittel der Bevölkerung rauchen nicht oder nicht mehr. Und da ist sie wieder die rote Laterne: Denn im Bundesvergleich bedeutet das prozentual den geringsten Anteil an Nichtrauchern. Man könnte also auch sagen: “Wir haben die meisten Raucher”. Aber in einem Land, das Gesundheitsland Nummer 1 werden will und obendrein noch die geringste Lebenserwartung hat, viele Alkoholiker und auch sonst genug Probleme, klingt “wenigste” wenigstens mal positiv.

Zeitsprung

Ich nehme gerne die Annehmlichkeiten moderner Technik in Anspruch – erwarte aber auch, dass mir Maschinen mit der gebotenen Ernsthaftigkeit gegenübertreten. Mein Geschirrspüler tanzt da heute aus der Reihe. Er zeigt mir in Minuten an, wie lange es noch dauert, bis er trockenen Joghurt, spröde Tomatensoßenreste und Honigtropfen von Tassen, Tellern und Messern gespült hat. Eben stand im Display eine 17. Und jetzt lese ich dort:95. Wie kann man sich denn so irren, bittesehr? Ich bin sehr enttäuscht. Da hat jemand zunächst wohl nicht mit offenen Karten gespielt oder ließ die notwendige Professionalität vermissen. Dabei habe ich extra noch Klarspüler nachgefüllt. Das wird Konsequenzen haben, wir werden das besprechen. So – geht es wirklich nicht.

Es gibt so viele Geschirrspüler da draußen, die würden sich darum reißen, hier ab und zu ein bisschen abzuwaschen Die würden das Zeug sogar noch in die Schränke räumen, wenn ihnen jemand Roboterarme anmontiert. Die würden das zuverlässig machen, schnell und billiger. Ich glaube, ich habe ein zu großes Herz. Ich gewähre so einem unsicheren Kantonisten Unterschlupf, der nicht mal auf seine eigenen Zeitangaben Rücksicht nehmen will. Und nachher ist das Geschirr noch nicht mal klinisch rein und ich muss-nochma-mipmm-Lappn-rübä. Zeiten sind das, also nee.

PS: Ich muss aufpassen. Sonst versteht das Ding meine launigen Anmerkungen hier auch noch falsch und dankt mir meine nicht ganz ernst gemeinten Ausführungen mit nem geplatzten Abwasserschlauch oder so was. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bin der Technik hilflos ausgeliefert.

Grinsebacke wird 24

24 Jahre sind im Falle von Computern und Rechnerleistungen im Vergleich zum Erdzeitalter etwa die Spanne vom Pleistozän bis gestern. Nur ganz selten stoßen Archäologen auf Relikte aus der Vor-Internet-Zeit, weil Speichermedien von anno-digital inzwischen zerbröselt sind oder es schlicht und einfach keine Lesegeräte mehr dafür gibt. Um so größer war die Überraschung, als irgendwelche Freaks alte Speicherbänder aus den USA analysierten. Sie fanden nach eigenen Angaben das Ur-Smiley bzw. den Ur-Smiley. Er erblickte das vermutlich fahle Licht grünstichiger, flimmernder Monochrom-Monitore heute vor 24 Jahren, am 19. September 1982 um 11:44 Uhr.

Es war diese Zeichenfolge: :-)

In einem Computer-Forum gab es eine Diskussion, die mit der Frage eingeläutet wurde, was mit Kerzen und Quecksilber in einem Fahrstuhl passiert. Im Laufe der Debatte war es dann Scott E. Fahlman von der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh, der vorschlug, nicht ganz ernst gemeinte Beiträge zu kennzeichnen. Mal abgesehen davon, dass der gute Mann einen bemerkenswerten Vornamen hat (man mächte ja fast augenblicklich Beam me up, Scotty rufen), arbeitet er immer noch als Computerwissenschaftler an der Hochschule, ist durch seinen Geniestreich aber nicht stinkreich geworden. Er hätte vielleicht zunächst ein Copyright-Smiley entwickeln sollen. Aber nein….

Und jetzt schaun wir uns mal an, was aus der simplen Folge dreier Zeichen im Laufe der Emoticon-Evolution geworden ist:

Na ja.

Das Ursprungsposting

Bericht beim WDR

Homepage des Erfinders

Wikipedia mal wieder

Bechersoziologie

Sie ist grün in zwei Tönen, auf der anderen Seite aber auch schlumpfblau. Meine Tasse – wobei mir der Begriff Becher eher zusagt. In Tassen passen Pfützen. Mit einem kräftigen Schluck aus einem echten Becher hingegen verdünnen ebenso echte Kerle den Stress eines typischen harten Arbeitsalltags.
Mein Becher im Spannungsfeld

Mein Becher – im Spannungsfeld zwischen privater Tasse und öffentlichem Arbeitsplatz.

Mein Becher also ist ein Souvenir. Von Rügen, aus Bergen, aus dem Idea-Supermarkt. Beim Vogelgrippeeinsatz brauchte ich schlicht ein Trinkgefäß für die heiße Plörre aus meiner Thermoskanne, weil ich in der allgemeinen Hektik beim Aufbruch Richtung Insel daran eben nicht gedacht hatte. Der Becher hat genau einen Euro gekostet.
Seit Februar verbinde ich liebevolle Erinnerungen damit: An tote Schwäne, Männer in Schutzanzügen, Peter Klöppel, der mit nem Hubschrauber eingefolgen wird, Desinfektionskommandos der Bundeswehr, Live-Gespräche mit dem rbb über die Herkunft eines Habichts und an geschmacklich fürchterliche Sojamilch aus dem Tetrapack, die ich in der allgemeinen Becher-Euphorie dereinst gleich literweise mit einkaufte.
Dieser grün-blaue Becher war mir auch im Frühjahr wegen dieser einzigartigen Memoiren-Kombination und nicht zuletzt auch wegen seiner grün-blauen Optik ein lieber Freund, ein treuer Begleiter in der eigenen Küche.
Bis ich den Entschluss fasste, ihn mit in die Redaktion zu nehmen. Dort sollte er mir ein Anker zum dran Festhalten sein in der wogenden Bürohektik im zuweilen recht aufreibenden Redaktionsalltag. Das ging ein paar Tage gut. Dann war er weg.
Auf dem Schreibtisch einer Kollegin tauchte er wieder auf. Jeden Tag. Ich beobachtete das ganz genau, gab mich aber gelassen. Ich trank eben aus anderen Tassen, die ich im Küchenschrank fand: Aus dem Bahn-Becher (bei dem ich das Gefühl hatte, dass der Tee darin immer erst ein bisschen später durchgezogen ist), aus dem Humpen von der Schule für Rundfunktechnik mit verwaschenem Aufdruck oder dem Erinnerungsstück vom Rostocker Weihnachtsmarkt 2002, auf dem ein pummeliger Nikolaus mit einer Sternschnuppe jongliert wie sonst nur der große Diktator mit der aufblasbaren Weltenkugel.
Und dann habe ich doch mal nachgefragt bei der Kollegin, wie sehr ihr denn mein Becher gefällt (ich vermied allerdings das “mein” zunächst. Ich wollte objektive Meinungen hören. Und ich hatte mich schon damit abgefunden, dass er nun jemand anderem gehört. Hauptsache, es geht ihm gut.)
Diese Nachfrage mündete in einer ausführlichen Debatte rund um Bedauern, Entschuldigung und Verständnis und der Tatsache, dass der Becher nur Minuten später frisch gewaschen in meinem Postkorb lag. Obendrein überreichte man mir mit nachsichtigen Worten einen Zeitungsartikel zum Thema. Ein Volkskundler von der Uni Göttingen hat über 2000 Männer und Frauen befragt, ob und warum sie im Büro oder in der Werkstatt eine eigene Tasse haben. Und siehe da: “In jeder Tasse spiegelt sich ein Stück der Welt”, heißt es in dem Text. Und weiter, im vorletzten Absatz:

Im Spannungsfeld zwischen privater Tasse und öffentlichem Arbeitsplatz wird der eigene Becher somit “zur Rückzugsmöglichkeit in einer ansonsten fremdbestimmten Umbegung”. Die Tasse wird zum Ausdruck von Individualität in einer standardisierten Welt.

Man hat ja auch sonst nix. Wie gut, dass ich nicht allein bin.

Die Wams und andere haben sich schon darüber ausgelassen.
Auch ne hübsche Tasse.